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Über meine Bilder
Meinen Malstil möchte ich in den Bereich "abstrakter Expressionismus" einordnen.

Ich male in Öl, gelegentlich Acryl, Aquarell, Pastell, Kreide, Collagen. Ein weiteres Feld meiner künstlerischen Betätigung sind Objekte und Skulpturen, in erster Linie bemalte Holzobjekte. Außerdem fotografiere ich sowohl konkret als auch abstrakt, sehr gerne auch mit alten analogen Kameras, von denen ich eine ansehnliche Sammlung habe.

Lange Zeit war für mich die gegenständliche Malerei bestimmend. Hauptthemen: Figurengruppen, Stadtlandschaften, Stilleben. Dann kam immer mehr der Weg in die Abstraktion, klotzige, kompakte, statische Figuren, die oft beinahe bildfüllend in der Vertikalen auftauchen, rechteckige Figuren in kräftiger Farbigkeit, natürliche Formen in geometrische stilisierte Figuren umgewandelt. Man erkennt kantige Köpfe ohne Gesichter, maskenhaft, fremd und manchmal ängstigend, Tiere, Pflanzen, Häuser.

In meinen Bildern drücke ich mich frei und ohne Zwänge farblich aus. Dabei steht das Malerische im Vordergrund; zeichnerische Elemente treten eher zurück. Ich will Spannung durch Farbe, Fläche, Linie erzeugen, rhythmische Elemente und Musik in Bewegung oder eher statische Formen umwandeln. Die Malerei ist für mich nichts anderes als die Musik, die reinste Form abstrakter Kunst. Die Stilelemente beider Kunstformen entsprechen sich auf verblüffende Art und Weise: Tonart und Akkordik (warme odere kalte Farben), Konsonanzen oder gewollte Dissonanzen, Tonwerte (Linienführung), legato oder staccato, Tempi, kurze Tonfolgen (aufgewühlte, stark rhytmische Bilder) - dies ließe sich weiter fortführen und die Parallelen liegen auf der Hand.
Unverständlich ist dennoch, dass viele intelligente und gebildete Menschen beim Betrachten eines Bildes sofort zu erkennen suchen, was es denn darstellen soll und völlig unglücklich und ablehnend sind, wenn ihnen dieses nicht gelingt - beim Anhören einer Suite für Solo-Violine von Johann Sebastian Bach oder einer Klaviersonate von Wolfgang Amadeus Mozart kämen sie nie auf die Idee, zu fragen: „Was soll das denn darstellen?" Offenbar sind wir Menschen daran gewöhnt, abstraktes zu hören, aber nicht, abstraktes zu sehen....

Ich male spontan und rasch. Das ist für mich wesentliche Voraussetzung der "malerischen Freiheit". Spontan zu malen bedeutet allerdings nicht, dass ein Bild schnell fertig wäre. Durch fortwährende Übermalung, ganz oder von Teilen des Bildes, wobei Teilelemente der Vor-Fassung erhalten bleiben, gewinnt ein Bild Gestalt, so dass sich Stimmungen, Gedanken und Gefühle ganz verschiedener Zeiträume zu einer "Stimmungs- und Gefühlscollage" vermischen. Diese Art zu malen und zu übermalen reflektiert auch den Kreislauf des Lebens: Ein ständiges Zerstören und darauf aufbauend entsteht wieder Neues. Das hat auch etwas "endloses" - es ist sehr schwer, zu bestimmen, wann ein Bild "fertig" ist. Es gibt Bilder, an denen ich drei Tage male, an anderen 3 Jahre.

Bei dieser Art zu malen verändern sich während der Entstehung des Bildes auch die Farben. Ohne dass ich dies gezielt wollte, dominieren in der Endfassung meiner Bilder oft Blau- und Grüntöne. Blau ist die Farbe der Ruhe, der Ausgeglichenheit, aber auch die Farbe des Irrealen, der Träume, Illusionen und Täuschungen. Aber Blau braucht wie jede andere Farbe den Kontrast, ohne kräftige Kontrastfarben wie aggressives Zinnoberrot, Magenta, Zitronengelb oder Ocker könnte kaum Spannung aufgebaut werden.

Es ist nicht mein Ziel, konkrete Dinge abzubilden. Der große Maler Franz Marc sagte einmal, als ihm vorgehalten wurde, die abgebildeten Pferde sähen ja gar nicht aus wie Pferde: "Es sind ja auch keine Pferde, es sind Bilder". Mit dieser großartigen Antwort hat er genau das zum Ausdruck gebracht, was letztlich Malerei ausmacht. Ich male keine Personen, Tiere, Blumen, Landschaften, ich male Bilder. Es geht mir darum, in einem Bild augenblickliche, spontane Ideen und Gefühle auszudrücken und Eindrücke zu verarbeiten; das zu malen, das man nicht sieht, was sich im Inneren abspielt: Spiegelungen persönlicher Erlebnisse. So wie ein Traum solche Gefühle in oft bizarr erscheinender Vermischung zahlloser Elemente an die Oberfläche spült.

Meine Bilder wenden sich nicht an den "Kopf" des Betrachters. Sie sollen nicht intellektuell analysiert werden. Ich wünsche mir, dass sie einfach genossen werden, wie die Wunderwelt der Musik, etwa einer Mozart-Klaviersonate oder einer Bach-Fuge, ohne zu hinterfragen, was sich der Komponist - oder Maler - wohl gedacht haben könnte. Sie sollen rein emotionell aufgenommen werden, angenommen oder auch nicht angenommen. Auch das Nicht-Annehmen, die Ablehnung eines Bildes, löst Gefühle aus, führt so zwangsläufig zur emotionellen Auseinandersetzung mit dem Bild. Der Betrachter soll nicht versuchen, die Gefühle oder Absichten des Malers nachvollziehen zu wollen; es wäre ohnehin unmöglich. Natürlich gibt es keine "richtige" oder "falsche" emotionelle Deutung. Jeder Betrachter bringt als Individuum beim Betrachten seine eigenen ganz individuellen Gefühle ein und bekommt sie so durch das Bild gespiegelt -- das Bild dient als eine Projektionsfläche für seine eigenen Wahrnehmungen. Das kann Wut sein oder Trauer, Freude, Behaglichkeit, Lust, Eifersucht - alles, was uns Menschen bewegt. So ist jedes individuelle Begreifen eines Bildes aus Sicht des Betrachters immer "richtig".

Danke, dass Sie meine Gedanken zu meinen Bildern gelesen haben.